Glauben

Tränen sind deinem Gesicht entronnen,
als du sahst: was jetzt ist, was einmal war.
Du fragst dich: Wie konnte es dazu kommen,
während Wasser sich sammelt zu einer Schaar
und sich aus deinen Augen presst
und wie eine Sintflut deine Stimme zerfetzt.

Das Schluchzen hallt als deine Worte wider,
wider gegen eine Wand aus Verständnislosigkeit.
Deine Verzweiflung wächst mit der Frage: Wie?
Wieso wirst du nur gestraft mit dieser Einsamkeit?,
die sich in dich hineinfrisst
und dich nicht mehr sein lässt, die du eigentlich bist.

Dein Herz ist wundgerieben an den Gedanken dieser Zeit,
die Seele ist taub, deine Augen erblindet,
die Gefühle explodieren; wo ist der Platz zum Atmen?
Was wirst du machen, wenn dich jemand so findet?
und dir eine Hand entgegenstreckt,
während er dich umarmt und er dich aus dieser Trauer aufweckt?

Echo vom                       31.05.2012

Neue Worte

Ich weiß, ich weiß,
ich bin unstetig, wenn es darum geht meinen Blog zu führen, aber ich werde abermals versuchen hier ein bisschen Leben einzuhauchen.
Ich hoffe, das sich wieder einige finden werden, die meine neuen Worte auch vernehmen und verstehen. Genau so hoffe ich, das ich auch mehr Zeit finde andere Texte zulesen und zuverstehen.

So seh ich das als einen kleinen Neuanfang mit vielen neuen Gedanken und Geschichten.

Echo

Lass uns

Wurzeln pressen Gräben in die Erde
unter meinen Füßen wird es sich erheben.
Sie ruft mir zu:
Lass uns geh’n!
Lass uns geh’n!
Lass mich ziehen wohin du willst.

In die Kluften deiner Seel‘
ist der Wille völlig fehl.
Sie schreit dich an:
Was ist dein Ziel?
Was ist dein Ziel?
Was bin ich dir nur Wert?

Als eine gefühllöse Gestalt,
die in meinem innersten erhallt.
Wispert sie mir zu:
Brich wieder unser Gebot!
Brich wieder unser Gebot!
Brech‘ dich wieder an der Vergangenheit.

Du gönnst ihr keine Ruhe und gönnst dir keine Ruhe.
Sie fleht dich an:
Gib es auf!
Gib es auf!
Gib mir für dich Kraft!

Ich brauch sie doch hier;
an meiner Seite, bei mir.
Ich sage ihr:
Lass uns gehen!
Lass und gehen!
Lass uns gehen in die Zukunft!

Echo vom                         28.03.2012

Winseln

Schwarze Rauchschwaden steigen aus dem weiß glühenden Haus,
es beginnt des Feuers verzehrender Schmaus.
“Was hast du gedacht zu tun?”, ist die Frage, die da hallt.
“Alles, außer das!”, ist die Antwort, als das Holz fester krallt,
welches sich wie ein Parasit in seine Haut frisst;
das Holz, das Feuer, das Fleisch als seine Nahrung misst,
um zu überleben, weiter geschürt zu werden,
so wird es alles für immer verfärben:
Bis auf die Knochen, die weiß aus der schwarzen Asche stechen;
Bis auf die Worte, die Taten, die an diesem Ereignis brechen.

Echo vom                        19.03.2012

Verlaufen

An Wurzeln des Baumes gepackt,
das Wasser zum Brennen entfacht.
Zahllose Leben verbraucht,
im Licht der Dunkelheit getauft.

Die Tat der Nacht verflucht,
den Schlaf des Tag’s gesucht.
Verfaulte Leibe erspäht,
gesunde Kadaver erwähnt.

Perplexe Träume geseh’n,
selbige Gedanken nicht versteh’n.
Im Tal des Spiegels verlaufen,
auf dem Berg des Windes entlaufen.

Allmähliche Erinnerungen verwirren,
keinem Fluch entrinnen.
Das Wasser ist verbrannt,
der Baum hat mich erkannt!

Echo vom                        09.06.2010

gen Ende

Schattens Bruder, der ich bin:
Mit schwarzen Flossen schweb ich durch den Himmel,
an dessen Horizont kein Wasser ist
und mich in der Wüste vertrocknen lässt.

Lichtes Schwester, die mich betrügt:
Dem weißen Sand eine unendliche Hitze schenkt,
die, als eine Dürre mich zerfetzt
und die den Flossen im Erdreich versinken hilft.

Flammens Mutter, die mich zersetzt:
In der pechschwarzen Asche, der Reste meiner selbst,
die noch immer rot glühend vor dem liegt,
was ich vor langer Zeit einmal war.

Todes Vater, der du mich rufst:
Aus der Ewigkeit, deines Reiches heraus,
dass Niemand lebend verlassen wird,
reichst du mir deine Hand und hebt mich in den Himmel empor.

Echo vom                        12.03.2012

War es alles -

Alles war anders in dieser Sekunde, als die Angst umschlug und sich alles wendete. Aus den Schreien wurde Stille, aus der Genugtuung wurde Verzweiflung und aus ihm wurde jemand anderes. Dieser Moment, als das ausgelöscht wurde, was niemand kannte, erkannte man nur die Züge, der einstigen Gedanken auf dem aus rot bestehendem Gesicht.
Es ist ein Tag, den niemand vergessen wird. Ein Tag, der sich nie tiefer in das Gedächtnis hätte einbrennen können. So sitze ich nun in diesem Zimmer, in dem sich alles ereignete, was man sich nie vorstellen konnte, was hier nie hätte geschehen dürfen; so glaubte man.
Er sitzt nun, allein, verlassen von sich selbst, in der Leere die ihn umgibt und den Taten die diese heraufbeschwor. Doch er war es gewohnt allein zu sein, er war es schon immer: anders. Anders, weil andere dachten, dass er es sei, anders, weil er nichts wusste, von dem, was man hätte tun könne. Das, was nun in der Mitte dieses leeren Raumes sitzt, ist alles was er einstmals war.
Mein Gesicht fühlt sich heiß an, und brennt. Ich verstecke es zwischen meinen Knien und erfasse unbewusst den Tag von neuen. Der Tag war doch wie immer, immer dasselbe, alles dasselbe, auch er –
Er, der ewig stumme. Er, der alles wusste. Er, den niemand leiden wollte. So war es wieder dasselbe monotone Bild, welches die Räume füllte, in dem der ewig monotone Ablauf stattfand. Wut, gefühlslose Ausdrücke, herabschauende Worte, verletzende Taten, gemischt in der heiteren Stimmung der anderen. Die gleichbleibende Ignoranz der Aufsichtsbeauftragten, die blinden Augen und tauben Ohren, mit ihren leeren Versprechungen und falschen Zungen. Er saß da, an dem Tisch, der sein Schafott bildete, jeden Tag aufs Neue; alles war gleich.
Bis auf seine Augen, Augen die sagten, die fluchten, die Verzweiflung ausdrückten. Verzweiflung über den Zustand des Jetzt, über die Tatsachen des Gesterns und den Versprechungen des Morgens. Mein Blick ging von ihm ab, aus Angst, dass mir diese Augen galten. Aus den Winkeln meiner eigenen, erkannte ich, wie sich ein Mob um ihn bildete, der übliche wie immer, hasserfüllt; ohne Grund. Es geschah das übliche wie immer. Die Schikane, die schon seit dem ersten Tag andauerte an den ich mich erinnern konnte, das gleiche leidige Thema, dessen sich niemand annahm. Niemand, nur er.
Schon seit langem, saß er nur noch da, ohne eine Regung, ohne einen Ton, ohne Anteilnahme, doch die anderen machten weiter, in der Hoffnung, dass er reagiere. Hoffnung, hatte er auch, Hoffnung, dass es eines Tages enden würde. Die Gruppe gab ihn Namen, die keine sichtliche Bedeutung hatte, schmissen mit Obst nach ihm oder stießen ihn von der einen Seite zur anderen. Alles Dinge, die ihnen das Gefühl gaben, stärker zu sein. Alles Dinge, die abzielten, ihn zu zerstören, ihn zu vernichten, ihn zu dem zu machen, was er seit geraumer Zeit war.
Mein Blick irrt wieder zu ihm und beobachtet die Sinnlosigkeit der Taten des Mobs. Was sie für Gedanken hatten, fragte ich mich zu diesem Zeitpunkt. Ob es ihnen wirklich so sehr gefiel, was sie taten? Ihre Ausdrücke sprachen Bände.
Er hob das Gesicht und blickte nun mit langsam schweifendem Blick, der durch den Raum fuhr und in meinen Augen endete, zu mir. Er fing an etwas zu flüstern und seine Lippen bildeten Wörter dessen Bedeutung ich nicht erkannte und wohl niemals erkennen würde. Er schloss die Augen und die Menge wurde aufgebracht. Einer aus dieser trat ihn, der andere schob alles was er besaß von seinem Tisch und eine andere Person spuckte auf seine Tasche. Seine Lider öffneten sich wieder und strahlten in tosender Wut. Abermals bewegten sich seine Lippen, doch diesmal hörte die Gruppe wohl Worte und hielt kurz inne. Sie tauschten ihre belustigten Blicke aus und eine lachte darauf lauthals, und fragte was er gleich gesagt hätte. Er fing wieder an zu sprechen, doch diesmal lauter, so dass auch sie es verstehen konnte. Nochmals, heißer: er meinte er habe genug.
Genug, hallte es durch meinen Kopf. Abermals wiederholte er die Worte, doch diesmal lauter. Immer wieder, immer lauter, bis er den Mob anschrie. Einer schlug ihm ins Gesicht und seine Augen wurden matt –
Benommen zog er etwas aus seiner Tasche, etwas, das weiß ich nun, was alles ändern sollte. So wurde die Hoffnung derer, die ihn umkreisten, geraubt. Benommen erhob er sich und rammte den Gegenstand den erst besten in der Runde in den Bauch. So wurde sein Tisch, sein Schafott, zu ihrem. Und seine Hände schoben sich weiter. So war er ihr Schafrichter. Von Person zu Person, von Leben zu Leben, von Angst zu Angst. Das Messer nahm ihnen alles und hinterließ nichts als rotes Lebenswasser, welches sich auf dem Boden verteilte. Er schrie immer noch, als ich ohne es selbst zu merken aufstand, mit den Händen vor dem Mund und blickte zu dem Ort, wo das begann was nur ein Ende kennt. Angst übermannte mich und Zwang mich auf die Knie während das rote an meinen Beinen dahinfloss. Seine Stimme hallte weiter durch den Raum, solange bis alle, die ihn umgaben, auf dem Boden lagen; winselnd, zuckend oder leblos.
Inmitten des roten Sees stand er und schnaufte. Sein Blick fuhr wieder zu mir und wurde klar, sein Gesicht nahm krampfartige Züge an und versteinerte sich. Er fiel auf die Hände und betrachte das Messer in seiner Hand. Er hockte sich hin und würgte.
Würgen tut er immer noch. Der Raum hat einen schlechten Geruch angenommen und er schaut sein Messer an, welches ein Ende verspricht. Ich erhebe meinen Blick und denke an sein Wort. Genug; er habe genug. Meine Gedanken überschlagen sich und ich stehe auf, wankend, Schritt für Schritt, gehe ich auf ihn zu. Sein Rücken ist vor mir und sein Messer vor seiner Kehle. Er würgt. Angst übermannt ihn, das Ende nicht annehmen wollend.
Tränen steigen in meine Augen und erwärmen mein Gesicht weiter –
Ich stoße ihn von hinten und lasse ihn seinem Ende entgegen eilen. Die Tränen fallen von meinem heißen Gesicht und landen auf meinen Händen, mit Blut vermischt, erblitzen sie auf meiner blassen Haut; rot. Nun klebt auch Blut an meinen Händen, denke ich, aber auch das Gefühl erfüllt mich; Angst –
Angst, dass man alles, was man will, nie erreicht kann. Angst, dass das Leben nicht das ist, für das es sich ausgibt und einen gnadenlos zerstört. Was birgt die Angst außer eine Fessel, die einen ins Nichts hineinzieht und einen von innen nach außen zerfrisst, alles andere verschlingt und nur noch eine Hülle aus dem selbigen zurücklässt, die nicht mehr das verkörpert, was einst in ihr hauste und lebte –

Echo vom                       31.01.2012